Im Jahr
1999 wurden im Eduardus-Krankenhaus ungewöhnlich viele Frauen mit einer
auffälligen Symptomatik von der Seelsorge und vom Sozialdienst wahrgenommen:
Sie hatten chronische, oft langjährige Erkrankungen, die ganz offensichtlich
von Gewalterfahrungen herrührten. Einige besonders berührende Erfahrungen waren
Grundlage für den Gedanken, ein Begleitungsprojekt für betroffene Frauen ins
Leben zu rufen. So entstand die Impulsgruppe Kaktusblüte aus der Erkenntnis der
Not heraus. Die Initiative entwickelte ein erweitertes Verständnis eines
Krankheitsbegriffs, um der Vielschichtigkeit der Erscheinungsbilder gerecht zu
werden. Im Jahr 2002 kam es zur Vereinsgründung - mittlerweile gemeinnützig -
mit dem Grundprinzip der Ehrenamtlichkeit. Noch im Projektstatus wurde die
Gruppe 2001 mit dem Preis von Start-Social prämiert. Als eine unter den zwanzig
ersten im Köln-Düsseldorfer Raum „gewann“ sie einen Unternehmensberater von
McKinsey, der sie in einer Neustrukturierung unterstützte. Im Jahr 2006 wurde
die Vereinsarbeit durch den Kölner Ehrenamtspreis honoriert.

Die
Aufgabe liegt im Brückenschlag zur professionellen Beratung und zu sonstigen
Hilfsangeboten, weil die Erfahrung zeigt, dass durch Krankheit geschwächte
Frauen oft nicht mehr in der Lage sind, ihre eigenen Lösungsansätze
gewinnbringend umzusetzen. Auch andere Frauen in Gewaltsituationen erfahren
Hilfe und Beistand durch die Begleiterinnen des Vereins, zumal die Erfahrung
zeigt, dass Gewalt oft krank macht, wenn nicht sogar lebenslange Folgen hat.

Da der
Bedarf an professioneller Hilfe vielfältig wie die Notsituationen ist,
unterhält der Verein intensive Kontakte zu den Angeboten der Kölner
Frauenbewegung, aber auch zu vielen anderen Einrichtungen sozialer Hilfe. Er
legt Wert auf ein ehrenamtliches Engagement von Bürgerinnen für Bürgerinnen.
Zentrale Angebotsform ist die Begleitung, wenn auch gelegentlich beratende
Elemente oder Betreuung ins Spiel kommen.

Begleitung
ist eine flexible Form von Beistand, aus der seelsorglichen Begleitung im
Krankenhaus abgeleitet, die in besonders persönlicher Weise auf die
individuelle Situation der Frauen eingehen kann. Langjährige Gewalterfahrungen
prägen auch das tägliche Leben, wenn die ursprüngliche Gewalterfahrung längst
vorüber ist. Die Frauen sollen Wahrnehmung und Respekt erfahren, ohne dass sie
in ihren Entscheidungen bewertet werden. Sie können die Auseinandersetzung mit
einer Person erleben, die echtes Interesse und oft auch ein wenig mehr Kraft
als sie selbst in ihrer Lage hat. Dadurch werden unter Umständen ihre
verschütteten Ressourcen wieder gefördert. Sie erfahren einen kleinen Ausweg
aus ihrer Einsamkeit. Nicht unerheblich sind die Informationen, die sie
bekommen, um ihre Lage um zugestalten. Dabei realisieren die Begleiterinnen
ihre Grenzen, sie wissen, wann es notwendig ist, die betroffene Frau an eine
professionelle Einrichtung weiterzuleiten.

Betroffen
sind deutsche bzw. deutschsprachige Frauen, aber auch ausländische Frauen, die
bedingt durch die vorangegangene Gewaltsituation keine Gelegenheit hatten,
Deutsch zu lernen und die es dadurch noch schwerer hatten, neue Wege
einzuschlagen. Nicht immer sind Begleitungsgeschichten jedoch
Erfolgsgeschichten. Es kann vorkommen, dass die betroffene Frau eine für die
Begleiterin nicht nachvollziehbare Entscheidung trifft. Eine Begleiterin dazu:
„Der freie Wille der Frau ist das einzige, was bei unserer Arbeit zählt.“ Die
Begleiterinnen werden ihrerseits unterstützt durch eine Supervisorin.
Erleichtert und honoriert wurde die ehrenamtliche Arbeit über die Jahre durch
mehrere Spenden des Frauenreferats des Erzbistums, der Katholischen
Frauengemeinschaft und durch zahlreiche
Einzelspenden.

Ein
weiterer Schwerpunkt des Vereins ist die intensive Vernetzung und
Zusammenarbeit im Bereich der Kölner Fraueninitiativen. Die Impulsgruppe
Kaktusblüte wirkt bei zahlreichen gemeinsamen Aktionen und Angeboten der Kölner
Frauenbewegung mit. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten stellt sie ihr
Begleitungsangebot den Frauenberatungsstellen zur Verfügung, um eine
umfassendere Hilfe für gewalterfahrene Frauen mit zu gestalten.